Mein erstes Fazit nach knapp vier Jahren Berufstätigkeit: Leistung lohnt sich in Deutschland nicht. Als Mitglied im exklusiven Club der mittleren Einkommensschicht der Bundesrepublik beträgt meine Einkommenssteuerlast zwischen 35 und 40 Prozent. Ein Grund in drei wesentliche Lektionen aus der Zeit einzusteigen.
Lektion 1: Drehst Du nicht das ganz große Rad hast Du kaum Möglichkeiten Steuern zu sparen
Steuerlich lohnt sich Leistung im mittleren Einkommenssegment nicht (mehr?). Solange nicht das ganz große Rad gedreht wird (dabei denke ich an mehr als 400.000,00 EUR Umsatz pro Jahr), gelingt es nicht aus der Steuer-Kosten-Spirale entscheidende Rücklagegrößen zu bilden. Ein Teufelskreis startet, der letztendlich in eine Schuldenspirale führen kann.
Lektion 2: Zeit ist Geld und Zeit braucht die Buchhaltung und die Steuererklärung und kostet damit Geld (und nicht nur die Gebühren für die Steuerberatung)
Einen nicht unwichtigen Teil der Arbeitszeit bin ich “nicht unternehmerisch aktiv oder gar produktiv”, da ich dem Finanzamt vor- und zuarbeite. Zum einen durch die Vorbereitung der Belege, Rechnungen und Kontoauszüge und zum anderen durch die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater um überhaupt einen Durchblick im Steuergesetzdschungel zu haben. Ein ständiger indirekter Rechtfertigungsdruck belastet.
Lektion 3: Das Finanzamt gewinnt immer! Die Grundlagen der Besteuerung gehen an der Realität von Kleinunternehmern vorbei.
Abseits der Realität, auf dem Papier logisch nachvollziehbar und kleinunternehmerfeindlich sind die gesetzlich fixierten Berechnungsgrundlagen, um die Steuern zu erheben: Die Berechnung der Steuerschuld beruht auf gemachten Gewinnen aus der Vergangenheit. Jahre später fällig werdend und die Grundlage bildend für Vorauszahlungen entzieht dieses Verfahren regelmäßig dem laufenden Geschäft (überlebens-)wichtige Liquidität. Eine Alternative die Besteuerung zeitnah und auf Basis der realen Umsätze zu gestalten ist nicht in Sicht (und vom Gesetzgeber nicht erwünscht?). Ein solcher Prozess wäre heute personell wie technisch umsetzbar. Wer ein System wie ELENA zu Wege bringen kann, muss auch in der Lage sein hier den Prozess zu optimieren.
Verbaler Zuckerguß und mit Sahne behaftete Lippenbekenntnisse quer durch die Parteienlandschaft
Kleinunternehmer- und mittelstandsfreundliche Politik? Alles schöner Zuckerguß in den Reden unserer Volksvertreter. Jedoch bleibt es nur bei schönen Worten. Das Handeln und Tun sieht anders aus: Privilegien für die oberen Einkommensschichten, Kürzungen bei den unteren Einkommensschichten und Lasten für den Mittelstand.
Wie soll sich Leistung auch lohnen, wenn die Spielregeln im System von Anfang an so gestaltet sind, dass keine Chance auf den Gewinn besteht? Eine für junge Menschen ziemlich frustrierende Situation.
Was erfordert die aktuelle Situation?
Die Rückkehr zu einem kompromisslosen Realismus in der Lagebeurteilung und ein von Optimismus getragenes Handeln. Dem voran gehen muss eine tiefgreifende Reorientierung des Denkens. Die Abschaffung der Expertokratie, die sich in sich immer weiter aufsplittert und immmer weitere akademische Disziplinen bildet. Die daraus resultierende Arroganz und Indifferenz der allgegenwärtigen Spezialisten, die für ihre Empfehlungen übrigens keinerlei Verantwortung zu tragen haben, sind eine Gefahr die mit der des “Terrorismus” nahezu gleichzusetzen ist. Darin liegt die Verhinderung jeder tauglichen Problemlösung.

Interessantes Zeug, das aber mehr Fragen aufwirft als es beantwortet und von daher an Grünheit hinter den Ohren d.h. logischen Inkonsequenzen nicht zu überbieten ist.
Muss sich Leistung unbedingt lohnen?
Kann man Leistung nicht erbringen, weil man in ihr selbst aufgeht? Daher gilt es Leistung zu differenzieren. Die Frage stellt sich immer für wen die Leistung zählt. Geht es um die Leistung für sich, die Leistung für die Gesellschaft oder gar die Leistung für jemand Dritten dem die eigene Leistung nutzt. Vor allem – und das ist die wichtigste Frage – wieviel ist der Rahmen und dessen Erhaltung wert, der Leistung überhaupt ermöglicht. Dieser Rahmen ist das was gehegt und gepflegt wird, so verkommen er sein mag und so wenig dieses auch ein geschlossenes System in als zinsbasiertes System sein kann ohne als System dauernd andere Systeme schlucken zu müssen. Und in welcher Form auch immer Leistung vorliegen mag – Man sollte mit dem was man tut zufrieden sein oder gehen können. Und wenn man keinen Platz hat der übrig bleibt, so ist das Wählen der Rote-Knopf-Partei immer noch offen und der Weg zum sinnfreien Terrorismus im Rahmen völliger Willkür zu unbeschritten. Ob es eine Leistung ist, den zu beschreiten, hängt immer davon ab, ob es eine Leistung für einen selber oder gar für die Gesellschaft ist. Letzteres ist zweifelhaft.
@Al Di: Zu der Grünheit hinter den Ohren: Daher ist der Blogeintrag ja auch als Kommentar gekennzeichnet, d.h. er vertritt eine Meinung bzw. Feststellung einer Perspektive. Das man das natürlich anders sehen kann, ist logisch. Mein Fazit nach vier Jahren Berufsleben fällt zumindest aus der rein steuerlichen Brille gesehen eher negativ als positiv aus. Fakt ist, dass die unteren und mittleren Einkommen trotz Leistung stark belastet werden. Das kann einen durchaus die Motivation verderben. Aus anderen Blickwinkeln lohnt sich Leistung allemal.